Post-Cinema? Entgrenzungen des Films

(Dr. Volker Pantenburg und Simon Rothöhler, M.A.)

[Januar 2007 bis April 2010]

Filmtheoretische Analysen der »post-kinematographischen« Konstellation plausibilisieren ihre Rhetorik des Bruchs in der Regel mit dem Hinweis auf eine doppelte Abtrennung des Films:

(1) von seinem historisch gewachsenen Aufführungsdispositiv (Kinoraum, Projektion, Herstellung einer spezifischen Öffentlichkeit mit einem definierten Set sozialer Praktiken und Rituale);

(2) von seinem photographischen Trägermaterial (Zelluloid, indexikalische Bildgebung). Das zeitgenössische »Cinema without Walls« ist demnach nicht zuletzt das Produkt einer Entgrenzungsbewegung, die auf unterschiedlichen Ebenen die privilegierte Bedeutung der Institution ›Kino‹ für den audiovisuellen Komplex ›Film‹ unterminiert hat.

Dieser Entwicklung entspricht eine Ausdifferenzierung der Erfahrungsformen des Filmischen, das sich einerseits in multimedialen Abspielfenstern reorganisiert (Video-iPod, Computer, Handy, Heimkino) und das andererseits zunehmend mit einer Vielzahl nicht-filmischer Waren paratextuell verschaltet wird. Beide Prozesse haben den Film als »self contained commodity« (seine Warenform am Ende der Early Cinema Periode) aufgelöst und ihn sukzessive in eine wesentlich weniger stabile »intertextual commodity« transformiert.

Zwischen multiplen Screens und einer ökonomisch wie sozial rekonfigurierten Rezeption, aber auch zwischen den zahlreichen projizierten Bildern in Museen und Galerien stellt sich die Frage nach dem Status der Verschiebungen und Vervielfältigungen des kinematographischen Dispositivs und der qualitativen Neuheit damit verbundener ästhetischer Praktiken. Zugleich müssen in die Analyse der so verstandenen »Post-Kinematographie« Relativierungen eingeführt und Kontinuitäten betont werden. Diese betreffen z.B. die generelle Fragwürdigkeit eines ontologischen Bruchs zwischen photographischem und digitalem Filmbild. Das Projekt wird die Pole und Dimensionen der Diversifizierung des Kino-Dispositivs sortieren und ausgehend von Objekten aus den Bereichen des (installativen) Kunstfilms und des kontemporären Blockbusters untersuchen, auf welche Weise konkrete filmische Praktiken diese transformativen Aspekte ästhetisch produktiv machen.

Das Projekt »Post-Cinema? Entgrenzungen des Films« gehört zum Teilprojekt B3 des Sonderforschungsbereichs 626 »Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste« (FU Berlin) unter der Leitung von Prof. Dr. Gertrud Koch.

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