new filmkritik

ein weblog.

Das Besondere ist eine Angelegenheit des Feuilletons, wo bei jedem Artikel die Wertigkeit mitkommuniziert werden muss; das Blog kann zumindest auch ein Ort des Gewöhnlichen sein. Alltag.

Das ist etwas, das mir 2002, als ich die Seite new filmkritik durch Zufall entdeckte, sehr gefiel, ohne dass ich es genau hätte benennen können. Die wenigen Leute, die dort schrieben, seit Michael Baute und Ludger Blanke das Blog im November 2001 eingerichtet hatten, richteten sich an verschiedene Arten von Lesern. Die Leser, an die man sonst denkt – die vielen, anonymen (der Leser als Quote, der Leser als »Auflage«, der Leser mit seinem »Bedürfnis«) –, gehörten nicht dazu. Die Leser, für die diese Texte geschrieben wurden, waren vielmehr die anderen Schreiber auf dieser Seite, und andersherum waren die Leute, die dort schrieben, in einem emphatischen Sinne die Leser der jeweils anderen. Man merkte das den Texten deutlich an. Das Bedürfnis, das aus den Texten sprach, war das jeweils eigene, und nicht das einer eingebildeten Leserschaft. Dass es nichts zu verkaufen und nichts zu verdienen gab, half diesen anderen Wünschen und Tonfällen zu einer Ausdrucksform. Nicht im Sinne einer Heroisierung des Unbezahlten, sondern als eine bestimmte Art von Freiheit im Ausdruck.

Es war zwar nicht genau zu sagen, wie die Autoren zueinander standen, aber dass hinter den Texten ein geteilter Begriff vom Kino und ein sozialer Zusammenhang lagen, vermittelte sich. Das klingt jetzt etwas verschwörerisch, aber dadurch, dass diese Verschwörung öffentlich stattfand, bekam sie zugleich einen völlig anderen Charakter. Überhaupt moduliert sich das Verhältnis von »privat« und »öffentlich« ja mit jedem Text im Internet neu.

// Das Schweigen der Weblogs wird unterbewertet, new filmkritik, Donnerstag, 20.11.2008 (link)